Am letzten Sonntag im Oktober, während die tiefstehende Sonne die Alpen in ein warmes Gold tauchte, bemerkte Claudia im Vorbeigehen einen an einer Parkbank befestigten Zettel. Trotz der kühlen Brise blieb sie stehen. „Suche dringend meine Einkauftasche“, stand dort in hastiger Schrift. Claudia, die selbst als Verkäuferin arbeitete, kannte den Stress verlorener Besorgungen nur zu gut.
Aufgrund der präzisen Beschreibung des Fundorts – ein einsamer, unter einer alten Eiche stehender Rucksack – musste Claudia nicht lange suchen. Doch die vor dem Haus wartenden Gäste ihres Nachbarn Martin bereiteten ihr Sorgen. Er hatte sie gebeten, ihm eine Kleinigkeit aus dem Supermarkt mitzubringen, doch die Zeit drängte. Angesichts seiner dringenden Bitte war die Hilfeleistung für den fremden Verlierer eigentlich kaum zu bewerkstelligen.
Plötzlich tauchte Martin selbst im Park auf, wohl auf der Suche nach ihr. Er sah die Tasche, die Claudia mitgebracht hatte. „Ist das etwa die gesuchte Tasche?“, fragte er erstaunt. Es lässt sich schwerlich leugnen, dass Martin ein aufmerksamer Nachbar ist. Er bot sofort an, den Rucksack zum Fundbüro zu bringen, damit Claudia ihre Erledigung für ihn sicher nach Hause bringen konnte.
Gemeinsam erreichten sie das Ziel, das wohl durch gemeinsames Handeln schnell zu erreichen war. Die Tasche war nun sicher verwahrt, und Martins Hilfe machte den Tag für beide zu einem Erfolg. Eine kleine Geste, die den Nachbarschaftsgeist im Herbstwind wunderbar unterstrich.