Schon wieder ein Montag, der sich wie ein nasser Lappen über die Welt legt. Klaus beobachtete vom Tresen seines Ladens aus, wie sich der Regen vor der Glasfront der Dresdner Werkstatt stetig verdichtete. Er betrachtete die vor dem Laden wartenden Kunden mit einer Mischung aus Müdigkeit und fachmännischer Gelassenheit, während er seine Bestandsliste für die kommende Woche erneut in Betracht zog.
Die Türglocke klang schrill, als ein Mann hereinstürmte, dessen Regenmantel die Dielen sofort in eine Pfützenlandschaft verwandelte. „Wo ist mein Strauß?“, bellte der Fremde, ohne Klaus eines Blickes zu würdigen. Er fuchtelte mit einem zerknitterten Zettel herum, der offensichtlich die für heute avisierte Bestellung sein sollte. Klaus legte die Liste zur Seite und versuchte, die aufwallende Gereiztheit zu zügeln.
„Mein Herr, Ihr Name steht nicht auf dieser Liste“, erwiderte Klaus ruhig, während er die Unterlagen in Frage stellte. Der Kunde schrie auf, dass er diesen Strauß zur silbernen Hochzeit benötige und Klaus nun die gesamte Feier ruiniere. Es war eben jene Art von Kunde, der ein Haar in der Suppe suchte, um seinen eigenen Frust abzuladen. Klaus sah in die Augen des Mannes und spürte die Verzweiflung, die hinter der Aggression verborgen lag.
Plötzlich geschah das Unwahrscheinliche. Ein zweiter Mann betrat das Geschäft, den Klaus sofort als einen langjährigen, sehr verlässlichen Lieferanten erkannte. Er hielt einen Strauß exakt für den Jubilar in den Händen, den er eigentlich erst für morgen avisiert hatte. „Klaus, ich bin einen Tag zu früh, da ich morgen in Berlin bin“, rief der Lieferant und reichte das Gebinde über den Tresen hinweg.
Die Welt schien kurz anzuhalten. Die beiden Männer, die sich noch nie zuvor begegnet waren, starrten auf die Blumen. Klaus lächelte, schob das Gesteck dem wütenden Kunden entgegen und meinte trocken: „Da scheinen sich die Wege des Schicksals heute zur rechten Zeit zu kreuzen.“ Der Kunde verstummte, nahm die Blumen entgegen und legte die Scheine fast entschuldigend auf den Tresen.
Die Tür schloss sich wieder hinter dem nun stillen Gast, und Ruhe kehrte in den kleinen Raum ein. Klaus atmete tief ein; der Duft der Lilien und Rosen wirkte fast wie ein Heilmittel. Wieder einmal hatte sich das Chaos in geordnete Bahnen gelenkt, doch Klaus wusste, dass das nächste unvorhersehbare Ereignis wohl bereits hinter der nächsten Ecke lauerte.